Weißrussland,Belarus

Einleitung
Weißrussland, weißrussisch Belarus ist eine unabhängige Republik in Osteuropa. Weißrussland grenzt im Nordwesten an Litauen und Lettland, im Osten an Russland, im Süden an die Ukraine und im Westen an Polen. Zu Zeiten der Union der Sozialistischen Sowjetrepubliken (UdSSR) lautete die offizielle Bezeichnung des Staates Weißrussische Sozialistische Sowjetrepublik. Die Fläche beträgt 207 595 Quadratkilometer. Hauptstadt und größte Stadt ist Minsk.

Land

Weißrussland liegt im Bereich des Osteuropäischen Tieflandes; nur wenige Erhebungen erreichen Höhen von mehr als 300 Metern. Das Relief des Landes wird maßgeblich durch eiszeitliche Ablagerungen geprägt. Sanftwellige Hügelketten wechseln mit Niederungen, die häufig vermoort sind. Vor allem im Süden befinden sich weite, kaum besiedelte Sumpfgebiete (siehe Pripjetsümpfe). In Weißrussland gibt es zahlreiche Flüsse und Seen. Zu den größten Flüssen gehören die Düna im Norden, der Njemen im Westen sowie der Dnjepr und seine Nebenflüsse Pripjet, Beresina und Sosch im Osten, Süden und Zentrum des Landes.

Es herrscht im Allgemeinen ein feuchtgemäßigtes Klima, das nach Osten hin kontinentaler wird. Die mittleren Januartemperaturen liegen im Westen bei -5 °C und im Osten bei -8 °C; im Juli betragen die Werte 17 °C bzw. 19 °C. Der mittlere Jahresniederschlag nimmt von etwa 700 Millimetern im Nordwesten auf circa 500 Millimeter im Südosten ab. 45,3 Prozent Weißrusslands sind bewaldet; im Norden herrschen Fichte, Tanne und Birke vor, im Süden Eiche, Ulme und Weißbuche. In den Wäldern leben die Großraubtiere Braunbär, Wolf und Luchs sowie die Paarhufer Rothirsch, Reh, Elch und Wildschwein; in den Feuchtgebieten kommen Biber vor. Das im Freiland ausgestorbene Wisent wurde wiedereingebürgert.

Bevölkerung

Drei Viertel der Gesamtbevölkerung von 10 350 194 Einwohnern (2001) sind Weißrussen. Die Bevölkerungsdichte liegt bei 50 Einwohnern pro Quadratkilometer, das Bevölkerungswachstum bei -0,15 Prozent (2001). Mit 13,2 Prozent stellen die Russen die größte ethnische Minderheit; darüber hinaus leben Ukrainer, Juden, Polen und Litauer im Land. 2001 lag die durchschnittliche Lebenserwartung bei 68,1 Jahren (Frauen 74,5, Männer 62,1).

Wichtige Städte

Nach dem 2. Weltkrieg verlief in Weißrussland ein rascher Urbanisierungsprozess. Mittlerweile leben 74 Prozent der Bevölkerung in Städten (1999). Minsk, Hauptstadt und größte Stadt Weißrusslands, hat 1,68 Millionen Einwohner (1999). Weitere Großstädte sind Gomel (507 000), Mogilew ( 371 300 Einwohner), Witebsk (358 700), Grodno (277 000 ), Brest (270 000) und Bobruisk (228 000).

Sprache und Religion

Amtssprache ist das Weißrussische, das zum östlichen Zweig der slawischen Sprachen gehört und eng mit dem Russischen verwandt ist. Etwa 78 Prozent sprechen Weißrussisch (als Muttersprache oder Zweitsprache), und wegen der mehrere Jahrzehnte andauernden Zugehörigkeit zur Sowjetunion sprechen insgesamt circa 83 Prozent der Bevölkerung auch Russisch. Die überwiegende Mehrheit der Weißrussen gehört der russisch-orthodoxen Kirche an, etwa 18 Prozent sind römisch-katholisch. Daneben gibt es muslimische, jüdische und protestantische Minderheiten.

Soziales
Die Arbeitslosenquote liegt offiziell bei 3,9 Prozent (1996), inoffiziellen Angaben zufolge jedoch weit höher. 253 Einwohner kommen auf einen Arzt (1999). Die Kindersterblichkeitsrate beträgt 14 Sterbefälle pro Tausend Lebendgeburten (2001). Das Gesundheitswesen wird stark belastet durch den radioaktiven Niederschlag als Folge des Reaktorunglücks von Tschernobyl 1986. Der radioaktive Fallout, der in Weißrussland höher war als in jeder anderen ehemaligen Sowjetrepublik, stellt immer noch eine gesundheitliche Gefährdung für die Bevölkerung dar. Etwa ein Fünftel der Landesfläche und über zwei Millionen Menschen waren unmittelbar von diesem Unglück betroffen. Radioaktive Isotope mit langer Halbwertszeit verseuchten den Boden, womit auch das Grundwasser, das Vieh und die landwirtschaftlichen Erzeugnisse für lange Zeit kontaminiert sein werden. Über 160 000 Weißrussen mussten aus den am schlimmsten betroffenen Regionen Gomel, Mogiljow und Brest evakuiert werden. In den noch immer verseuchten Dörfern sind Lebensmittel knapp, und die durch radioaktive Strahlung verursachten Krankheiten nehmen stark zu.

Verwaltung und Politik
Mit der neuen Verfassung vom 15. März 1994 wurde in Weißrussland ein parlamentarisches Präsidialsystem eingeführt. Die Amtszeit des direkt gewählten Präsidenten beträgt sieben Jahre und ist auf zwei Amtsperioden beschränkt. Das Zweikammerparlament besteht aus dem Repräsentantenhaus mit 110 Mitgliedern und dem Republikrat mit 64 Vertretern aus sechs Regionen; acht Parlamentarier werden vom Präsidenten ernannt. Alle Bürger ab dem 18. Lebensjahr sind wahlberechtigt. Das dreistufige Rechtswesen ist gegliedert in das Oberste Gericht sowie die regionalen und lokalen Gerichtsbarkeiten. Durch das umstrittene Referendum vom November 1996 wurden die Rechte der Exekutive erweitert, die Unabhängigkeit der Legislative und der Judikative wurden eingeschränkt. Weißrussland besteht aus sechs Verwaltungseinheiten sowie dem Hauptstadtbezirk Minsk. Die wichtigsten Parteien sind die Kommunistische Partei (KPB), die Agrarpartei, die Partei der Nationalen Eintracht, die Vereinigte Demokratische Partei, die Partei der belarussischen Einheit und die reformorientierte Vereinigte Bürgerpartei (OPG). Nationalfeiertag ist der 3. Juli, der an die Befreiung von der deutschen Besatzung (1941-1944) durch die Rote Armee erinnert.

Wirtschaft
Weißrussland zählt zu den wirtschaftlich relativ gut entwickelten Ländern der Gemeinschaft Unabhängiger Staaten (GUS). Die weißrussische Wirtschaft ist jedoch stark von Importen und der Energieversorgung aus Russland abhängig und litt bereits unmittelbar nach Erklärung der Unabhängigkeit unter dem drastischen Anstieg der russischen Erdöl- und Rohstoffpreise. Als Ursache für die schwierige wirtschaftliche Situation gilt die zögerliche Privatisierung seitens der weißrussischen Regierung. Die immer schlechteren wirtschaftlichen Verhältnisse führten dazu, dass konservative Kräfte verstärkt für die Schaffung einer Wirtschaftsunion mit Russland eintraten. Nach dem Scheitern der Währungsunion mit Russland wurde der Weißrussische Rubel eingeführt, der seit Oktober 1994 als offizielles Zahlungsmittel gilt. Einen zweiten Versuch einer Währungsunion zwischen Weißrussland und Russland sieht der Unionsvertrag vom 8. Dezember 1999 vor. Die Einführung einer gemeinsamen Währung ist für 2005 geplant.

Das Bruttoinlandsprodukt (BIP) liegt bei 26 815 Millionen US-Dollar (1999; Dienstleistungen 45 Prozent, Industrie 42,1 Prozent, Landwirtschaft 12,9 Prozent); daraus ergibt sich ein BIP pro Einwohner von 2 670 US-Dollar (1999). Die Inflationsrate liegt bei 393,45 Prozent (1990-1999), die Wachstumsrate bei -3,01 Prozent (1990-1999). Rund 35 Prozent aller Erwerbstätigen sind in der Industrie, 40 Prozent im Dienstleistungssektor und nur 21 Prozent in der Landwirtschaft tätig (1994). Die wichtigsten Abbauprodukte sind Kalisalze, Steinsalz, Torf und Phosphate. Zu den wichtigsten industriellen Erzeugnissen Weißrusslands gehören Kraftfahrzeuge, Land- und Werkzeugmaschinen, petrochemische Erzeugnisse, Düngemittel (Kalidünger), Unterhaltungselektronik, elektrotechnische Geräte sowie Präzisionsoptik. Zentrale Ausfuhrgüter sind Kalidünger, Chemieprodukte, Chemiefasern und -garne sowie Textilerzeugnisse, bedeutende Einfuhrgüter sind Chemieprodukte, Maschinen und Ausrüstungen, Textilien und Fahrzeuge.

In der Landwirtschaft wird mehr als die Hälfte der Wertschöpfung durch Viehzucht und Milchwirtschaft erzielt; daneben spielen auch Anbauprodukte wie Kartoffeln, Weizen, Zuckerrüben und Getreide eine wichtige Rolle. 29,8 Prozent der Fläche wird als Ackerland genutzt.

Durch den Reaktorunfall in Tschernobyl 1986 erlitt die weißrussische Landwirtschaft einen erheblichen Schaden. Knapp 70 Prozent des gesamten radioaktiven Niederschlags gingen auf weißrussischem Gebiet nieder. Von den rund 96 000 Quadratkilometern agrarwirtschaftlich genutzter Flächen wurden fast 18 Prozent so stark verstrahlt, dass hier nur noch eingeschränkt bzw. überhaupt keine landwirtschaftliche Nutzung mehr möglich ist. Etwa ein Viertel der Fläche wurde mäßig kontaminiert. Um die Abhängigkeit von Energieimporten zu verringern, ist der Bau einer Reihe von Kernkraftwerken geplant.

Das gut ausgebaute Verkehrssystem macht vor allem den Transithandel und den Verkehr für die Ökonomie des Landes bedeutend. Hauptverkehrsträger ist die Eisenbahn mit einer Gleislänge von insgesamt 5 542 Kilometern (1997). Das Straßennetz umfasst 65 994 Kilometer (1999). Zahlreiche Flüsse und der Dnjepr-Bug-Kanal bilden einen Zugang zur Ostsee und zum Schwarzen Meer.

Quelle

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